Zeichen setzen

Als Studentin lernte ich die Typografie auf die schmutzige Tour kennen: Tagelang standen wir in der Druckwerkstatt, umgeben von Silberfischen, Spatien und Schusterjungen – eine völlig neue, faszinierende Welt für mich.

Dann ging alles recht schnell, die Schwarze Kunst wurde durch DTP bereinigt, die Werkstätten an den Hochschulen durch MacPools ersetzt. Es hatte unbenommen seine Vorteile und meine Trauer um einen händisch auszugleichenden Blocksatz hielt sich wahrlich in Grenzen.

Aber nun! Welch ein Genuss, nach einem Vierteljahrhundert wieder in einer Druckwerkstatt zu stehen: Der Geruch, die kontemplative Tätigkeit, ein kundiger Freund an der Seite. Da ist es fast egal, was man druckt – aber Neonfarbe war an diesem Tag ein Muss.

Karte in Bleisatz "Alarm!!!"

Karte gesetzt in:
Memphis Universal, 60 pt
Rudolf Wolf, 1932

Karte in Bleisatz "Tapir ist geduldig."

Karte gesetzt in:
Palatino, 24 pt
Hermann Zapf, 1949

Flüchtige Ahnung

Kann einer GANS Böses SCHWANEN?

Die diesjährige Weihnachtskarte ist nun am Start und wie immer käuflich. Sie finden sie in der Buchhandlung Walther König im Neuen Museum in Nürnberg – neben vielen verführerischen Büchern.

Es ist draußen zu ungemütlich? Wie immer können Sie alle Karten auch direkt bei mir bestellen.

Und: Falls Sie mich im Tiergarten Nürnberg beim Zeichnen antreffen, dürfen Sie mich auch gerne persönlich ansprechen …

Karte – "Flüchtige Ahnung"

Karte – „Flüchtige Ahnung“
148 x 105 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschicht
et

Ene mene muh …

… und raus bist du!

Bereits im Januar 2019 trugen einige meiner Raben Maske. Die Idee bestand darin, oberflächlichen Humor mit historisch gewachsenem Unbehagen zu kombinieren und somit eine hübsche Vielschichtigkeit zu erreichen: Das Lachhafte, einen Vogel als Vogel zu maskieren, träfe auf das Bild des Pestdoktors und auf die mitteleuropäische Mär von Krähenvögeln als Boten des Todes und des Unglücks.

Im Jahr darauf änderte sich alles: Die Corona-Pandemie schwappte über den Globus. Plötzlich trug alles Maske: Statuen, Plüschtiere, Böhmermanns Triceratops im zdf magazin royal

Als ich nun im Mai 2023 für eine Ausstellung ein paar Raben zusammenstellen durfte, stellte sich mir die Frage, ob mein maskierter Rabe eine gute Wahl wäre – meiner Ansicht nach eine meiner besten Arbeiten. Ich entschied mich dennoch gegen diese Arbeit: Wie würden Betrachtende diesen Raben wahrnehmen? Vor dem Hintergund der Corona-Pandemie schien mir die „hübsche Vielschichtigkeit“ zu einem plumpen Gag zu schrumpfen.

Skizze – Rabe mit Maske, 14. Januar 2019

Erste Umsetzung der Idee im Skizzenbuch – Januar 2019

Zeichnung – "corvus corone"

„Corvus corona“ – aus der Raben-Serie
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Besucher beäugen

Am Freitag, den 19. Mai 2023, eröffnet die Ausstellung „Locked out“ – curt.de/lockedout –, an der ich mit drei meiner schwarzen Gesellen beteiligt bin.

Die Auststellung findet in einer mächtigen Barock-Kirche in der Innenstadt Nürnbergs statt, die Raum genug für den größten meiner Raben bietet. Nun darf der „corvus curious“ sowohl Ausstellungsbesucher als auch Kirchgänger neugierig von seiner privilegierten Warte aus beobachten. Oder meint etwa jemand, es wäre andersherum?

Zeichnung – "Corvus curiosus"


„corvus curiosus“ – aus der Rabenserie
Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
67 x 52,5 cm

Zeichnung – "Mitblickend"

„Im Bilde“ – aus der Raben-Serie
Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
30 x 40 cm

Ausstellungsankündigung

Weihnachtsgekrakel

Tentakelfeucht, frisch aus dem Druck – die Weihnachtskarte 2022.

Die Kugel, die Kugel – seufz! Schimmern sollte sie, nicht glänzen.
Erst eine feine Lavur brachte den gewünschten Effekt: Die Oberseite der Kugel leuchtet in einem warmen Tomatenton, die verschattete Unterseite dämmert in kaltem Krapplack.

Krapplack ist ein Klassiker unter den Pigmenten und wird seit über 3000 Jahren für die Herstellung von Farben verwendet. Ursprünglich wurde es aus der Wurzel des Färberkrapps gewonnen, bevor es seit 1869 synthetisch hergestellt werden konnte.

Wie immer käuflich: Die Karte erhalten Sie in der Museumsbuchhandlung Walther König im Neuen Museum Nürnberg oder direkt bei mir.

Karte – "Weihnachtsgekrakel"

Karte – „Weihnachtsgekrakel“
105 x 148 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschicht
et

Wahlweise weiß

Radierung ist ein schmutziges Geschäft – es sei denn man lässt die Farbe in der Tube. Für die Prägung in bleichem Bütten kam nur ein Pottwal in Frage. Walweiß sozusagen.

Hahnemühle® Bütten-Kupferdruckkarton, 300 g/m2
Papierformat ca. 27 cm x 20 cm

60 Euro inkl. Mwst.

Schräge Vögel

Wenn ich Vögel zeichne, bediene ich mich ab und zu eines einfachen, aber wirkungsvollen Tricks. Diesen könnte man als Mona-Lisa-Effekt bezeichnen: Der Mundwinkel des Tieres zeigt weder eindeutig nach oben noch eindeutig nach unten. Die dadurch entstehende Doppeldeutigkeit, unterstreicht den Eindruck des „schrägen Vogels“.

Bei dem hier gezeigten Vogel handelt es sich um einen Waldrapp, eine Vogelart, die bis Mitte des 17. Jahrhunderts bei uns in Europa heimisch war. Mittlerweile versucht man diese Tiere mit aufwändigen Programmen wieder anzusiedeln. Dies ist besonders herausfordernd, da es sich um Zugvögel handelt, die ihr Zugvogelverhalten erst wieder erlernen müssen. Mehr erfahren Sie hier.

Paint Balls

Manchmal muss man die Stifte von der Leine lassen …

Kürzlich hielt ich im Studium Generale am Bildungszentrum vier Doppelstunden zum Thema „Design und Ethik“. Während ich eine kleine Einheit zum Inhalt „Gender Marketing / Pinkifikation / Gendergerechtes Gestalten“ vorbereitete, entfleuchte mir dieses farbenprächtige Vorzeigetier … es hat es allerdings nicht in die Seminarunterlagen geschafft.

Die Veranstaltungen im Studium Generale sind für mich stets ein Highlight: Fantastische Teilnehmer:innen, die vor Diskussionsfreude strotzen und ihrerseits den Kurs mit individuellem Wissen und viel Lebenserfahrung bereichern. Ich freue mich schon auf Dezember 2022 – dann ist es wieder soweit!


Frisches Schlannengrün

Ob sie die kleine Kugel wohl auch noch schafft?

Der erste Entwurf der diesjährigen Weihnachtskarte spielte noch mit der Idee, das Gemälde „Der Sündenfall“ von Lucas Cranach aufzugreifen: Eva reicht Adam eine Weihnachtskugel, im Hintergrund aufmerksam beobachtet von der Beraterschlange, die sich im Baume windet.

Tja, nicht schlange gefackelt … schnell verhauchte der leise Anflug von Konsumkritik und Antoine de Saint-Exupéry ließ grüßen. Besser ist das.

Natürlich käuflich: In der Museumsbuchhandlung Walther König im Neuen Museum in Nürnberg oder für 1,50 € pro Stück direkt bei mir.

Karte – "Schlannengrün"

Karte – „Schlannengrün“
210 x 98 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschichtet

Cestoda sententia

Der Satzbandwurm … oder doch eine Blindtextschleiche?

Bedroht durch das Auftauchen invasiver Arten wie dem Twitterwesen ist der Satzbandwurm doch arg in Bedrängnis geraten. Nur in intellektuellen Habitaten findet er noch ausreichend Raum für seine komplexe Fortpflanzung.

Eine Verwechslungsmöglichkeit des Satzbandwurms besteht nur mit der Blindtextschleiche. Sie trägt jedoch die verbreitete Lorem-Ipsum-Textur auf dem Rücken.

Gleich nach dem Einstellen dieser Illustration auf Instagram wurden meine Albernheiten weitergesponnen: Es war von eitlen Tieren und Blicken in den Satzspiegel die Rede und jemand postete seinen Kommentar gar in Blindtext. Einfach herrlich!