Cestoda sententia

Der Satzbandwurm … oder doch eine Blindtextschleiche?

Bedroht durch das Auftauchen invasiver Arten wie dem Twitterwesen ist der Satzbandwurm doch arg in Bedrängnis geraten. Nur in intellektuellen Habitaten findet er noch ausreichend Raum für seine komplexe Fortpflanzung.

Eine Verwechslungsmöglichkeit des Satzbandwurms besteht nur mit der Blindtextschleiche. Sie trägt jedoch die verbreitete Lorem-Ipsum-Textur auf dem Rücken.

Gleich nach dem Einstellen dieser Illustration auf Instagram wurden meine Albernheiten weitergesponnen: Es war von eitlen Tieren und Blicken in den Satzspiegel die Rede und jemand postete seinen Kommentar gar in Blindtext. Einfach herrlich!

Dropse

Klar, man sollte wissen, wann „der Drops gelutscht ist“. Aber mit den gelutschten Dropsen ist das so eine Sache … manche sind nicht nur zeichnerisch schwer in den Griff zu bekommen.

„Der Drops ist gelutscht.“
Aquarell / Bleistift

Arches® Bütten, 300 g/m2
22 x 16 cm

Manchmal laufen die Dinge

In der Altstadt von Nürnberg steht eine meiner Lieblingsskulpturen. Sie zeigt zwei armlose Reiter auf einem stehenden Pferd und wurde von Johannes Brus geschaffen.

Bereits im März verhalf ich Ross und Reitern zu einem Ausritt, der für uns vier recht vergnüglich war. Aber welch ein Amusement, diese zeichnerische Narretei nun in Laufweite zum Original ausstellen zu können!

Die Zeichnung ist vom 9. Juli bis zum 12. August im Büro für Quartiersmanagement in der Hans-Sachs-Gasse 1 in Nürnberg zu sehen.

Zeichnung – "Blau unterwegs"

„Blau unterwegs“ – einer Skulptur zum Ausritt verholfen
Aquarell / Bleistift

Arches® Bütten, 300 g/m2
50 x 40 cm

Text im Fenster links:

Blau unterwegs
Ein Reiterstandbild. Seit Jahren gebunden an dieselbe Pose, den Blick beständig gen Norden. Zeit dies zu ändern.
Wenn sie von ihrem Ausritt zurückkommen, sehen Ross und Reiter vielleicht erstmals den Sonnenaufgang … und möglicherweise sind sie auf ihrem Heimritt noch blauer als üblich.

Frühling im Februar

Das Klima schlug zu. Es wurde warm, richtig warm. Die Menschenmassen gerieten in Bewegung und sammelten sich zur Völkerwanderung.

Am nächsten Morgen wurden wir zu Kulturfolgern: Die Gänse futternd, ich zeichnend, beide suchend.

Für diese Zeichnung vom Februar 2021 verwendete ich erstmals einen japanischen Füllfederhalter mit einer „Fude Nib“, einer aufwärts gebogenen Zeichenfeder. Der wunderbar nasse Strich dieses Federtyps überzeugte auf Anhieb.

„Frühling im Februar“ – 2021 am Dutzendteich in Nürnberg
Aquarell / Tusche

Aquarellkarton, 300 g/m2
38 x 28 cm

Rolle rückwärts!

Des Mistkäfers Imperativ.

Die diesjährige Weihnachtskarte bricht mit den Gewohnheiten: Sie hat zu viele Beine und es fehlt ihr jeglicher Kuschelfaktor. Vielleicht wird sie kein Bestseller, aber sie hat bereits ihre Fans gefunden. Einige von ihnen mögen „Rolling home for Christmas“ vor sich hin summen, andere eher „Dunglebells“ intonieren …

Zur Familie der Mistkäfer gehören auch die „Lethrinae“. Eine Studie aus dem Jahr 2013 wies nach, dass sich diese Käfer unter anderem am Sternenhimmel orientieren, während sie des nächstens nachhause kugeln. Klingt eigentlich eher poetisch als mistig.

Karte – "weihnachtskugelnd"

Karte – „weihnachtskugelnd“
148 x 105 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschichtet

Echt jetzt?

Nein, natürlich nicht. Frösche werden auch in Frankreich nicht eingedost.

Es waren meine dreidimensionalen Wurzeln als Produktdesignerin, die in Frankreich auf die farbenfrohe und plakative Grafik der Conserverie la belle-illoise trafen. Als mein Blick kurz darauf auf ein Restaurant fiel, welches Frosch als Spezialität des Hauses anpries, war der Sprung zur ikonischen Konserve nicht weit.

Kurzer Sprung und langer Atem: Es brauchte fünf Anläufe über die Dauer von zwei Jahren, um aus der ersten Tuscheskizze diese Illustration zu entwickeln. Eine kichernde Hysterie überlappte alle Versuche.

Zeichnung – "Genouille"

„Grenouille“ – ikonische Konserve
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Geheimnüsse

Im Kontext der coronalen Zeiten ist vieles denkbar:
Nascht er nur oder hortet er schon?

Diese Arbeit entstand während des Lockdowns im Rahmen des Projektes Locked in / Locked out des curt Magazin. Sie ist ein möglicher Kandidat für die geplante Ausstellung im kommenden Jahr.

Zeichnung – Geheimnüsse eines Raben

„Geheimnüsse“ – aus der Raben-Serie
Tusche / Aquarell
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Tintlinge schöpfen

Diese kleine Gruppe von Schopftintlingen fand sich im Tennenloher Forst bei Erlangen. Sie schien genau das richtige Sujet zu sein, um eine neue japanische Zeichenfeder auszuprobieren.

Der Begriff Tintling lässt mich an Schriftstellerei und Zeichenkunst denken. Die Assoziationen sind inspirierend, aber beileibe nicht verklärend: Bei den Schopftintlingen handelt es sich um karnivore – nematophage – Pilze. Sie können kleine Fadenwürmer erbeuten und verdauen.

Caspar, David und Friedrich

„Caspar, David und Friedrich in Betrachtung des Mondes“, so der Titel dieser Zeichnung.

Was mag den dreien wohl durch die Köpfe gehen? Tauschen sie sich in romantischer Ironie über die Belastung aus, Bildmotive selbstbestimmt zu wählen?

Womöglich halten sie schlicht inne – versonnen im Mondlicht.

Driften

Manche Zeichnungen sind nicht der schlüssige Endpunkt eines Gedankenganges, sondern eher eine diffuse Begleiterscheinung. So kann es passieren, dass ein weißer Pottwal plötzlich die rote Zeichnung eines Tancho-Kois auf der Stirn trägt.

Koikarpfen führen in Japan ein Leben als behütete Statussymbole, Wale hingegen sind schlicht Beutetiere: Zum 1. Juli 2019 trat Japan aus der Internationalen Walfangkommission aus und nahm den kommerziellen Walfang wieder auf. Manche Japaner sagen, Walfleisch zu essen sei für die japanische Identität wichtig. Würden sie auch Wale essen, die ihre Nationalfarben tragen?

Mandschurenkraniche, die ebenfalls Tancho tragen, werden übrigens nicht gegessen …

Der japanische Begriff „Tancho“ lässt sich wörtlich mit „roter Scheitel“ übersetzen. Zudem ist „Tancho“ der Name des Mandschurenkranichs, dem Nationalvogel Japans.