Echt jetzt?

Nein, natürlich nicht. Frösche werden auch in Frankreich nicht eingedost.

Es waren meine dreidimensionalen Wurzeln als Produktdesignerin, die in Frankreich auf die farbenfrohe und plakative Grafik der Conserverie la belle-illoise trafen. Als mein Blick kurz darauf auf ein Restaurant fiel, welches Frosch als Spezialität des Hauses anpries, war der Sprung zur ikonischen Konserve nicht weit.

Kurzer Sprung und langer Atem: Es brauchte fünf Anläufe über die Dauer von zwei Jahren, um aus der ersten Tuscheskizze diese Illustration zu entwickeln. Eine kichernde Hysterie überlappte alle Versuche.

"Grenouille"

„Grenouille“ – ikonische Konserve
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Montagmorgen

Vielleicht hätte man am Sonntag daran denken können, dass montags die meisten Museen geschlossen haben – aber dazu hätte man sich des Sonntags bewusst sein müssen. Auf Reisen mit unserem alten VW-Bus verliere ich manchmal das Zeitgefühl.

So stand ich, bis auf die Gesellschaft der hölzernen Figuren, recht einsam vor dem Pförtnerhäuschen des Wallmuseums: Zeichnend in der Morgensonne, kalte Nordluft atmend, zufrieden.

Das Wallmuseum in Oldenburg in Holstein zeigt anhand von archäologischen Funden und rekonstruierten, frühmittelalterlichen Siedlungen die Geschichte der Slawen in Ostholstein. Direkt vor Ort befand sich ein Machtzentrum slawischer Herrschschaft: Starigrad.

Ungestüm

Reisetagebücher – die Bretagne weigerte sich lange und hartnäckig Platz zu nehmen. Die Zeichnungen waren zu wenig wüst, die Realität zu ungestüm.

Hier half es nur, Gleiches mit Gleichem zu vergelten: Den Stift beiseite zu lassen und zunächst die nassen Farben im Wind mit Verve aufs Papier zu klatschen. Nimm dies!
Aber so konturlos sollte mir die Landschaft nicht davonkommen – die Zeichnerin in mir forderte ein paar schnelle Tintenstriche …

Die Skizze der Heidelandschaft am Cap Sizun war die erste einer Reihe von Skizzen, in denen ich mit dem Farbauftrag begann und mit der Zeichnung endete. Eine Reise lang konnte ich nicht genug davon bekommen. Manchmal muss man eine Welle einfach reiten.



Geheimnüsse

Im Kontext der coronalen Zeiten ist vieles denkbar:
Nascht er nur oder hortet er schon?

Diese Arbeit entstand während des Lockdowns im Rahmen des Projektes Locked in / Locked out des curt Magazin. Sie ist ein möglicher Kandidat für die geplante Ausstellung im kommenden Jahr.

Zeichnung – Geheimnüsse eines Raben

„Geheimnüsse“ – aus der Raben-Serie
Tusche / Aquarell
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Tintlinge schöpfen

Diese kleine Gruppe von Schopftintlingen fand sich im Tennenloher Forst bei Erlangen. Sie schien genau das richtige Sujet zu sein, um eine neue japanische Zeichenfeder auszuprobieren.

Der Begriff Tintling lässt mich an Schriftstellerei und Zeichenkunst denken. Die Assoziationen sind inspirierend, aber beileibe nicht verklärend: Bei den Schopftintlingen handelt es sich um karnivore – nematophage – Pilze. Sie können kleine Fadenwürmer erbeuten und verdauen.

Caspar, David und Friedrich

„Caspar, David und Friedrich in Betrachtung des Mondes“, so der Titel dieser Zeichnung.

Was mag den dreien wohl durch die Köpfe gehen? Tauschen sie sich in romantischer Ironie über die Belastung aus, Bildmotive selbstbestimmt zu wählen?

Womöglich halten sie schlicht inne – versonnen im Mondlicht.

Workout (Sneak Preview)

Wenn der Rabe mit dem Theraband …

Im Rahmen des Projektes Locked in / Locked out des curt Magazin sind Nürnberger Künstler aufgefordert, ein Quarantäne-Kunstwerk zu erschaffen und den Prozess zu dokumentieren. Sobald die Corona-Krise vorüber ist, sollen die Werke in einer Gruppenausstellung gezeigt werden.

Als Projektteilnehmerin werde ich dort eine Arbeit präsentieren. Ob es dieser heimsportelnde Rabe sein wird, habe ich noch nicht entschieden: Meine Raben wenden sich in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen vielen Dingen zu – auch unverfänglicheren.

Das Beitragsbild zeigt eine Zeichnung aus meinem Skizzenbuch.

Raben rocken

Raben und Krähen, tiefschwarz und hochintelligent. Inzwischen sind es weit über 50 Stück, die sich in allen möglichen Situationen und Gemütszuständen auf meinen Papieren tummeln.

Manche dieser dunklen Gesellen sperren sich dagegen, porträtiert zu werden: Sie trotzen mit Tuscherotz. In solchen Fällen neige ich dazu, sie wüst zu beschimpfen – und glauben Sie mir, kein Rabe lässt sich gern als „dummes Huhn“ betiteln. Jetzt wird die Sache persönlich!

"Im Auge" – aus der Raben-Serie

„Finsterling“ – aus der Raben-Serie
Tusche
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Zündeln

Um einen Frosch aus seiner Opferrolle als Beutetier zu befreien, braucht es lediglich ein bisschen Mutwillen. Man drücke dem Frosch etwa kurzerhand ein Streichholz in die klammen Finger …

"Ungeklärte Verhältnisse" – aus der Rabenserie

„Ungeklärte Verhältnisse“ – aus der Raben-Serie
Tusche / Aquarell
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Corvus corone

Faschingszeit. Der Corona-Virus erreicht Italien und der Karneval in Venedig wird abgesagt.

Die Zeichnung kombiniert oberflächlichen Humor mit historisch gewachsenem Unbehagen: Das Lachhafte, einen Vogel als Vogel zu maskieren, trifft auf das Bild des Pestdoktors und die mitteleuropäische Mär von Krähenvögeln als Boten des Todes und des Unglücks.

In diesem Kontext erscheint es fast surreal, dass corvus corone der lateinische Name der Aaskrähe ist.

„corvus corone“ – aus der Raben-Serie
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm