Montagmorgen

Vielleicht hätte man am Sonntag daran denken können, dass montags die meisten Museen geschlossen haben – aber dazu hätte man sich des Sonntags bewusst sein müssen. Auf Reisen mit unserem alten VW-Bus verliere ich manchmal das Zeitgefühl.

So stand ich, bis auf die Gesellschaft der hölzernen Figuren, recht einsam vor dem Pförtnerhäuschen des Wallmuseums: Zeichnend in der Morgensonne, kalte Nordluft atmend, zufrieden.

Das Wallmuseum in Oldenburg in Holstein zeigt anhand archäologischer Funde und rekonstruierten, frühmittelalterlichen Siedlungen die Geschichte der Slawen in Ostholstein. Direkt vor Ort befand sich ein Machtzentrum slawischer Herrschschaft: Starigrad.

In Pose pausieren

Der britische Ornithologe Thomas Bewick (1753-1828) schrieb einst, der Kormoran sei ein unerbittlicher Tyrann und unersättlicher Vielfraß, faul nur dann, wenn der Appetit gestillt sei, um dann dazusitzen und stinkende Dämpfe eines voll gefressenen Magens auszustoßen …

Hört man hier etwa Anklänge einer anthropozentrischen Weltsicht?

Im Kormoran steckt übrigens auch ein bisschen Rabe, zumindest linguistisch. Sein deutscher Name entstammt dem altfranzösischen „corp mareng“ und dem lateinischen „corvus marinus“. Beides lässt sich mit „Meerrabe“ oder „Wasserrabe“ übersetzen.

Dieses Exemplar posierte in der Morgensonne am Canal de la Martiniére westlich von Nantes. Von stinkenden Dämpfen keine Spur.

Ungestüm

Reisetagebücher – die Bretagne weigerte sich lange und hartnäckig Platz zu nehmen. Die Zeichnungen waren zu wenig wüst, die Realität zu ungestüm.

Hier half es nur, Gleiches mit Gleichem zu vergelten: Den Stift beiseite zu lassen und zunächst die nassen Farben im Wind mit Verve aufs Papier zu klatschen. Nimm dies!
Aber so konturlos sollte mir die Landschaft nicht davonkommen – die Zeichnerin in mir forderte ein paar schnelle Tintenstriche …

Die Skizze der Heidelandschaft am Cap Sizun war die erste einer Reihe von Skizzen, in denen ich mit dem Farbauftrag begann und mit der Zeichnung endete. Eine Reise lang konnte ich nicht genug davon bekommen. Manchmal muss man eine Welle einfach reiten.



Tintlinge schöpfen

Diese kleine Gruppe von Schopftintlingen fand sich im Tennenloher Forst bei Erlangen. Sie schien genau das richtige Sujet zu sein, um eine neue japanische Zeichenfeder auszuprobieren.

Der Begriff Tintling lässt mich an Schriftstellerei und Zeichenkunst denken. Die Assoziationen sind inspirierend, aber beileibe nicht verklärend: Bei den Schopftintlingen handelt es sich um karnivore – nematophage – Pilze. Sie können kleine Fadenwürmer erbeuten und verdauen.

Caspar, David und Friedrich

„Caspar, David und Friedrich in Betrachtung des Mondes“, so der Titel dieser Zeichnung.

Was mag den dreien wohl durch die Köpfe gehen? Tauschen sie sich in romantischer Ironie über die Belastung aus, Bildmotive selbstbestimmt zu wählen?

Womöglich halten sie schlicht inne – versonnen im Mondlicht.

Tapir in Trance

Tapire sind wahre Genussferkel. Will man sie in ein ernsthaftes Dilemma stürzen, braucht man Tapire nur vor die Wahl zu stellen, gestreichelt oder gefüttert zu werden. Oft gewinnt das Streicheln: Schon nach wenigen Strichen legen sie sich hin und fallen förmlich in Trance.

„Genussferkel“ trifft es übrigens nicht ganz, da Tapire nicht zur Gattung der Schweine gehören. Weil man dies jedoch früher annahm, standen sie zumindest in islamisch geprägten Gegenden nicht auf dem Speiseplan. Schwein gehabt!

Das Beitragsbild zeigt den Prachtbuben Poroto im Tiergarten Nürnberg. Auch dessen 200 Kilo sanken widerstandslos zu Boden.

Wie aus dem Ei gepellt?

Cicero soll einmal gesagt haben, es gäbe zwei Arten des Schönen: In der einen liege Anmut, in der anderen liege Würde.

Betrachte ich die Küken von Geiern, Eulen und Pelikanen, so scheinen diese auffallend unberührt von beiderlei Arten.

Aber: Diese perfekte Unproportioniertheit, dieser wunderbare Mangel an Liebreiz – einfach zum Niederknien!

Das Beitragsbild zeigt die Skizze eines schlüpfenden Gänsegeiers.
Eine der Vorstudien der Serie „Chicks“.

Zwerge ziehen

Fabulieren gehört zum Handwerk und Handwerk will ausgeübt werden.

Es war einmal ein Austauschschüler, der sich in unsere Familie verirrt hatte. Dieser junge Mann hatte ein Faible für das kleine Volk der Gartenzwerge. Wir führten ihn in einen märchenhaften Wald und ließen ihn an einem Geheimnis teilhaben:

„That´s where we grow our gnomes.“

Skizze – Eibgrat in der Fränkischen Schweiz

„Dig them out!“ – aus dem Skizzenbuch:
Der Eibgrat in der Fränkischen Schweiz
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