Zeichenblog

Die Sache mit der Neugier

Bildideen lungern oft zwischen den Sätzen entspannter Gespräche herum. So erzählte mir ein Sarde, wie sie als Kinder Oktopusse fingen.

Wer mir nachsagt, ich leide unter mangelnder Impulskontrolle, der ist noch keinem Cephalopoden begegnet: Man hänge einfach eine alte Dose oder einen Krug ins Hafenbecken und der Oktopus wird sie vor Neugier sabbernd untersuchen …

„Neugiertier“ – aus der Tentakel-Serie
Aquarell / Buntstift / Bleistift
Arches® Bütten, 300 g/m
2
40 x 30 cm

Blau unterwegs

Ein Reiterstandbild. Seit Jahren gebunden an dieselbe Pose, den Blick beständig gen Westen. Zeit dies zu ändern.
Wenn sie von ihrem Ausritt zurückkommen, sehen Ross und Reiter vielleicht erstmals den Sonnenaufgang … und möglicherweise sind sie auf ihrem Heimritt noch blauer als üblich.

Das Original des Künstlers Johannes Brus „steht“ seit 1992 auf dem Andreij-Sacharow-Platz in der Altstadt von Nürnberg.

Frühling im Februar

Das Klima schlug zu. Es wurde warm, richtig warm. Die Menschenmassen gerieten in Bewegung und sammelten sich zur Völkerwanderung.

Am nächsten Morgen wurden wir zu Kulturfolgern: Die Gänse futternd, ich zeichnend, beide suchend.

Für diese Zeichnung vom Februar 2021 verwendete ich erstmals einen japanischen Füllfederhalter mit einer „Fude Nib“, einer aufwärts gebogenen Zeichenfeder. Der wunderbar nasse Strich dieses Federtyps überzeugte auf Anhieb.

„Frühling im Februar“ – 2021 am Dutzendteich in Nürnberg
Aquarell / Tusche

Aquarellkarton, 300 g/m2
38 x 28 cm

Karpfe diem!

… oder weshalb im Dezember ein Karpfen auf meinem Zeichentisch landete.

Karpfen werden meist in flachen Teichen gezüchtet, die vor dem ersten Frost abgefischt werden müssen. Von dort aus gelangt der Fisch zahlreich als fränkische Spezialität auf die lokalen Wirtshaustische. Nicht so in diesem Winter: Die Gastronomiebetriebe befinden sich im Lockdown, Angebot und Nachfrage geraten aus dem Gleichgewicht.

Als kleinen Beitrag zum Erhalt der Teichwirtschaft kauften wir deshalb erstmals einen frischen Karpfen, um ihn eigenhändig mit Bierteig zu ummanteln.

Bis dahin aber gehörte er ganz allein mir …

Das Beitragsbild zeigt eine Farbstudie: Wieviel Dramatik verträgt eine solche Zeichnung? Wie blutig darf sie werden, ohne dass sie die Schwelle zur Karikatur überschreitet?

„Karpfen“ – Farbstudie
Aquarell / Bleistift
Arches® Bütten, 300 g/m2
30 x 22 cm

Seelentröster

Im November, wenn sich die dunklen Wolken enger um die Stadt legen, beginnt die Zeit, in der man sich mit gutem Essen tröstet. Zu einem solchen Essen gehören erstens Kartoffeln, zweitens Kartoffeln und drittens … ich beginne mich zu wiederholen.

Sie sind skeptisch? Dann sollten Sie unbedingt einmal ostfriesische Kleikartoffeln probieren: Außen schmuddelig, innen pures Gold. Danach sprechen wir weiter.

Skizze zweier Kleikartoffeln aus Wybelsum.

Rolle rückwärts!

Des Mistkäfers Imperativ.

Die diesjährige Weihnachtskarte bricht mit den Gewohnheiten: Sie hat zu viele Beine und es fehlt ihr jeglicher Kuschelfaktor. Vielleicht wird sie kein Bestseller, aber sie hat bereits ihre Fans gefunden. Einige von ihnen mögen „Rolling home for Christmas“ vor sich hin summen, andere eher „Dunglebells“ intonieren …

Zur Familie der Mistkäfer gehören auch die „Lethrinae“. Eine Studie aus dem Jahr 2013 wies nach, dass sich diese Käfer unter anderem am Sternenhimmel orientieren, während sie des nächstens nachhause kugeln. Klingt eigentlich eher poetisch als mistig.

Karte – "weihnachtskugelnd"

Karte – „weihnachtskugelnd“
148 x 105 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschichtet

Echt jetzt?

Nein, natürlich nicht. Frösche werden auch in Frankreich nicht eingedost.

Es waren meine dreidimensionalen Wurzeln als Produktdesignerin, die in Frankreich auf die farbenfrohe und plakative Grafik der Conserverie la belle-illoise trafen. Als mein Blick kurz darauf auf ein Restaurant fiel, welches Frosch als Spezialität des Hauses anpries, war der Sprung zur ikonischen Konserve nicht weit.

Kurzer Sprung und langer Atem: Es brauchte fünf Anläufe über die Dauer von zwei Jahren, um aus der ersten Tuscheskizze diese Illustration zu entwickeln. Eine kichernde Hysterie überlappte alle Versuche.

"Grenouille"

„Grenouille“ – ikonische Konserve
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Von Sardinen schwärmen

Manchmal ist es besser, sein Essen erst zu verspeisen und dann die verbleibenden Reste zu zeichnen. Dies gilt vor allem dann, wenn große, runde Augen im Spiel sind, wie bei dieser gegrillten Sardine.

Lag es am Hunger oder daran, dass Fische keine Lobby haben? Jedenfalls betrachtete ich die Sardine zum Zeitpunkt der Mahlzeit nicht als Persönlichkeit. Diese erhielt sie erst während des Skizzierens.

Kennen Sie die Bücher von Lars, dem kleinen Eisbären? Alle Tiere in diesen Büchern können sprechen, nur nicht die Fische. Sie sind Futter, keine Freunde.

Reisegefährten

Lass uns doch die Artischocken
leise in den Kochtopf locken
.

Nein, einen Kochtopf hat diese Artischocke nie gesehen. Wir „fanden“ sie auf einem Feld bei Roscoff und eine gute Woche lang begleitete sie uns auf unserer Fahrt durch die Bretagne.
Mehrfach gab ich in dieser Zeit den Hamlet und befragte die Artischocke: „Skizzieren oder nicht skizzieren, das ist hier die Frage!“ Aber eigentlich war es keine Frage.

Der botanische Name der Artischocke „cynara cardunculus“ verweist auf die Nymphe Cynara. Als diese sich dem Göttervater Zeus widersetzte, verwandelte er sie erbost in eine stachelige Distel.

Klaar Kiming!

Es könnte ein Schlachtruf sein.

Der Begriff „klaar Kiming“ stammt aus dem Friesischen. Wörtlich lässt er sich mit „klarer Horizont“ übersetzen, meint aber auch, offen und wohlwollend nach vorn zu schauen.

Gäbe es einen besseren Titel für die im coronalen August gedruckte Rabenkarte? „Der sieht aus, als hätte er Bock auf morgen!“ – ich hätte mir keine schönere Reaktion vorstellen können.

Sie möchten Karten kaufen? Dieses und weitere Motive finden Sie hier.

Karte – "Klaar Kiming"

Karte – „Klaar Kiming“
148 x 105 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschichtet

Montagmorgen

Vielleicht hätte man am Sonntag daran denken können, dass montags die meisten Museen geschlossen haben – aber dazu hätte man sich des Sonntags bewusst sein müssen. Auf Reisen mit unserem alten VW-Bus verliere ich manchmal das Zeitgefühl.

So stand ich, bis auf die Gesellschaft der hölzernen Figuren, recht einsam vor dem Pförtnerhäuschen des Wallmuseums: Zeichnend in der Morgensonne, kalte Nordluft atmend, zufrieden.

Das Wallmuseum in Oldenburg in Holstein zeigt anhand von archäologischen Funden und rekonstruierten, frühmittelalterlichen Siedlungen die Geschichte der Slawen in Ostholstein. Direkt vor Ort befand sich ein Machtzentrum slawischer Herrschschaft: Starigrad.