Zeichenblog

Die Sache mit der Neugier

Bildideen lungern oft zwischen den Sätzen entspannter Gespräche herum. So erzählte mir ein Sarde, wie sie als Kinder Oktopusse fingen.

Wer mir nachsagt, ich leide unter mangelnder Impulskontrolle, der ist noch keinem Cephalopoden begegnet: Man hänge einfach eine alte Dose oder einen Krug ins Hafenbecken und der Oktopus wird sie vor Neugier sabbernd untersuchen …

„Neugiertier“ – aus der Tentakel-Serie
Aquarell / Buntstift / Bleistift
Arches® Bütten, 300 g/m
2
40 x 30 cm

Vielleicht …

„Vielleicht hätte Kapitän Ahab Sardinen fangen sollen.“

Diesen Satz lässt Haruki Murakami eine seiner Figuren im zweiten Band von Die Ermordung des Commendatore sagen. Ich las es, lachte und hing am Haken. Die visuelle Idee, diesen mental-monumentalen Kampf zweier Giganten mit etwas so Marginalem wie einer Dose Sardinen zusammenzubringen, war schnell entwickelt.

Hatte Ahab je die Möglichkeit sich zu entscheiden? Wohl kaum. Aber eines kann man mit Sicherheit sagen: Ahab hat seinen Wal getroffen.

„Ohne Wal“
Aquarell / Bleistift

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Unter Druck

Butt auf Bütten, ein Fisch im Tiefdruck.

Es konnte nur ein Plattfisch sein, den ich zum Motiv meiner ersten Fischplatte machen würde. Kein anderer Fisch fügt sich kalauernd derart gut unter die Druckerpresse.

Der Versuch, den Druck auf einen Plattfisch durch hitzige Farbigkeit zu erhöhen, mag visuell funktionieren, physikalisch ist er jedoch fragwürdig: Wasser absorbiert langwelliges Licht bestens, so dass schon in geringen Tiefen kein Rot mehr wahrgenommen werden kann. Nach menschlichen Maßstäben und bei aller Doppeldeutigkeit sieht ein Plattfisch also selten rot.

„Fisch unter Druck“ – Ausschnitt aus einer Radierung
Absprengtechnik / Strichätzung / Kaltnadelradierung / Aquatinta

Hahnemühle® Bütten-Kupferdruckkarton, 300 g/m2
Druckplatte 20 x 15 cm, Papierformat 39,5 x 27 cm

Raben rocken

Raben und Krähen, tiefschwarz und hochintelligent. Inzwischen sind es weit über 50 Stück, die sich in allen möglichen Situationen und Gemütszuständen auf meinen Papieren tummeln.

Manche dieser dunklen Gesellen sperren sich dagegen, porträtiert zu werden: Sie trotzen mit Tuscherotz. In solchen Fällen neige ich dazu, sie wüst zu beschimpfen – und glauben Sie mir, kein Rabe lässt sich gern als „dummes Huhn“ betiteln. Jetzt wird die Sache persönlich!

"Im Auge" – aus der Raben-Serie

„Finsterling“ – aus der Raben-Serie
Tusche
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Corvus corone

Faschingszeit. Es sollte eine launige Zeichnung werden, doch dann erreichte der Corona-Virus Italien und der Karneval in Venedig wurde abgesagt.

Die Zeichnung kombiniert oberflächlichen Humor mit historisch gewachsenem Unbehagen: Das Lachhafte, einen Vogel als Vogel zu maskieren, trifft auf das Bild des Pestdoktors und die mitteleuropäische Mär von Krähenvögeln als Boten des Todes und des Unglücks.

Dass corvus corone der lateinische Name der Aaskrähe ist, erscheint in diesem Kontext fast surreal.

„corvus corone“ – aus der Raben-Serie
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Tapir in Trance

Tapire sind wahre Genussferkel. Will man sie in ein ernsthaftes Dilemma stürzen, braucht man Tapire nur vor die Wahl zu stellen, gestreichelt oder gefüttert zu werden. Oft gewinnt das Streicheln: Schon nach wenigen Strichen legen sie sich hin und fallen förmlich in Trance.

„Genussferkel“ trifft es übrigens nicht ganz, da Tapire nicht zur Gattung der Schweine gehören. Weil man dies jedoch früher annahm, standen sie zumindest in islamisch geprägten Gegenden nicht auf dem Speiseplan. Schwein gehabt!

Das Beitragsbild zeigt den Prachtbuben Poroto im Tiergarten Nürnberg. Auch dessen 200 Kilo sanken widerstandslos zu Boden.

Der Tag des Fisches

Es könnte der Anfang eines Romans sein: Stillvergnügt stand sie auf dem Gehweg, in ihrer Hand lag der leise tröpfelnde Fisch …

Kleine, sympathisch dreinblickende Sardellen. Ein ganzer Schwarm liegt hinter Glas in einem Bett aus Eis, aber ich benötige nur eine einzige. Erklärend füge ich hinzu, ich wolle sie zeichnen. Die Verkäuferin stutzt zunächst, dann lächelt sie und drückt mir ein feuchtes Fischlein in die bloße Hand.

Stillvergnügt …

Dem Zeichnen des Fisches folgten Druckexperimente. Das Beitragsbild zeigt einen Abdruck in Aquarell.

In Tiefen entspannt

Manatis sind dankbare Zeichenobjekte: Schnelle oder hektische Bewegungen sind ihnen weitgehend fremd. Ihr lässiges Treiben vermag einen einzulullen, wie Lavalampen dies tun – nur dass ich selten Lust verspüre, Lavalampen zu skizzieren.

Im Gegensatz zu Lavalampen bringen Manatis bis zu einer halben Tonne Charme und Sympathie auf die Waage. Sie fordern einen geradezu auf, sie mit großen, ausholenden Schwüngen zu umreißen. Ein munteres Knopfauge dazu und sofort lugen sie freundlich vom Papier. Enchantée!

„Manati im Tiergarten Nürnberg“

„Manati im Tiergarten Nürnberg“
Aquarell / Bleistift
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Wie aus dem Ei gepellt?

Cicero soll einmal gesagt haben, es gäbe zwei Arten des Schönen: In der einen liege Anmut, in der anderen liege Würde.

Betrachte ich die Küken von Geiern, Eulen und Pelikanen, so scheinen diese auffallend unberührt von beiderlei Arten.

Aber: Diese perfekte Unproportioniertheit, dieser wunderbare Mangel an Liebreiz – einfach zum Niederknien!

Das Beitragsbild zeigt die Skizze eines schlüpfenden Gänsegeiers.
Eine der Vorstudien der Serie „Chicks“.

In braunen Daunen

Bei den Königspinguinen gehen beide Elternteile auf die Futterjagd, während die Jungtiere an Land bleiben.

Die Küken sind das Warten gewohnt, aber in naher Zukunft könnten sich die Zeiten des Ausharrens gravierend ausdehnen: Einer Studie zufolge werden sich Fische und Kraken aufgrund der Meereserwärmung in Richtung Antarktis zurückziehen. Die Elterntiere benötigten dann länger für die Reise zu ihren Nahrungsquellen. Während dieser Zeit könnten die Jungtiere verhungern.

Für weitere Informationen siehe u.a. Spiegel-Online:
Erwärmung der Meere bedroht Königspinguine

Serie "Chicks" – Königspinguin

„N°5 / Königspinguin“ – aus der Serie „Chicks“
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
30 x 40 cm

Möge die Nacht mit dir sein

Es ist schon spät, im Radio senden sie einen Bericht über die Premiere des neuen Star Wars Films.

Ich blicke durchs Fenster ins Dunkle und mein Hirn beginnt, die einprägsamen Sätze von Jedi und Co. ungeniert umzugestalten. Verbale Macht- und Nachtspiele sozusagen. Sie führen mich in humorvolle, philosophische und poetische Gefilde.

Die Nacht ist mit mir und mit ihr ein schwammgetupftes tiefes Blau.

Karte – "Die dunkle Seite der Nacht."

Karte – „Die dunkle Seite der Nacht.“
148 x 105 mm
Karton 265 g/m
2
Motivseite glänzend, UV-Lack beschichtet