Geheimnüsse

Im Kontext der coronalen Zeiten ist vieles denkbar:
Nascht er nur oder hortet er schon?

Diese Arbeit entstand während des Lockdowns im Rahmen des Projektes Locked in / Locked out des curt Magazin. Sie ist ein möglicher Kandidat für die geplante Ausstellung im kommenden Jahr.

Zeichnung – Geheimnüsse eines Raben

„Geheimnüsse“ – aus der Raben-Serie
Tusche / Aquarell
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Tintlinge schöpfen

Diese kleine Gruppe von Schopftintlingen fand sich im Tennenloher Forst bei Erlangen. Sie schien genau das richtige Sujet zu sein, um eine neue japanische Zeichenfeder auszuprobieren.

Der Begriff Tintling lässt mich an Schriftstellerei und Zeichenkunst denken. Die Assoziationen sind inspirierend, aber beileibe nicht verklärend: Bei den Schopftintlingen handelt es sich um karnivore – nematophage – Pilze. Sie können kleine Fadenwürmer erbeuten und verdauen.

Driften

Manche Zeichnungen sind nicht der schlüssige Endpunkt eines Gedankenganges, sondern eher eine diffuse Begleiterscheinung. So kann es passieren, dass ein weißer Pottwal plötzlich die rote Zeichnung eines Tancho-Kois auf der Stirn trägt.

Koikarpfen führen in Japan ein Leben als behütete Statussymbole, Wale hingegen sind schlicht Beutetiere: Zum 1. Juli 2019 trat Japan aus der Internationalen Walfangkommission aus und nahm den kommerziellen Walfang wieder auf. Manche Japaner sagen, Walfleisch zu essen sei für die japanische Identität wichtig. Würden sie auch Wale essen, die ihre Nationalfarben tragen?

Mandschurenkraniche, die ebenfalls Tancho tragen, werden übrigens nicht gegessen …

Der japanische Begriff „Tancho“ lässt sich wörtlich mit „roter Scheitel“ übersetzen. Zudem ist „Tancho“ der Name des Mandschurenkranichs, dem Nationalvogel Japans.

Workout (Sneak Preview)

Wenn der Rabe mit dem Theraband …

Im Rahmen des Projektes Locked in / Locked out des curt Magazin sind Nürnberger Künstler aufgefordert, ein Quarantäne-Kunstwerk zu erschaffen und den Prozess zu dokumentieren. Sobald die Corona-Krise vorüber ist, sollen die Werke in einer Gruppenausstellung gezeigt werden.

Als Projektteilnehmerin werde ich dort eine Arbeit präsentieren. Ob es dieser heimsportelnde Rabe sein wird, habe ich noch nicht entschieden: Meine Raben wenden sich in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen vielen Dingen zu – auch unverfänglicheren.

Das Beitragsbild zeigt eine Zeichnung aus meinem Skizzenbuch.

Vielleicht …

„Vielleicht hätte Kapitän Ahab Sardinen fangen sollen.“

Diesen Satz lässt Haruki Murakami eine seiner Figuren im zweiten Band von Die Ermordung des Commendatore sagen. Ich las es, lachte und hing am Haken. Die visuelle Idee, diesen mental-monumentalen Kampf zweier Giganten mit etwas so Marginalem wie einer Dose Sardinen zusammenzubringen, war schnell entwickelt.

Hatte Ahab je die Möglichkeit sich zu entscheiden? Wohl kaum. Aber eines kann man mit Sicherheit sagen: Ahab hat seinen Wal getroffen.

„Ohne Wal“
Aquarell / Bleistift

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Zündeln

Um einen Frosch aus seiner Opferrolle als Beutetier zu befreien, braucht es lediglich ein bisschen Mutwillen. Man drücke dem Frosch etwa kurzerhand ein Streichholz in die klammen Finger …

"Ungeklärte Verhältnisse" – aus der Rabenserie

„Ungeklärte Verhältnisse“ – aus der Raben-Serie
Tusche / Aquarell
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Corvus corone

Faschingszeit. Der Corona-Virus erreicht Italien und der Karneval in Venedig wird abgesagt.

Die Zeichnung kombiniert oberflächlichen Humor mit historisch gewachsenem Unbehagen: Das Lachhafte, einen Vogel als Vogel zu maskieren, trifft auf das Bild des Pestdoktors und die mitteleuropäische Mär von Krähenvögeln als Boten des Todes und des Unglücks.

In diesem Kontext erscheint es fast surreal, dass corvus corone der lateinische Name der Aaskrähe ist.

„corvus corone“ – aus der Raben-Serie
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

Der Tag des Fisches

Es könnte der Anfang eines Romans sein: Stillvergnügt stand sie auf dem Gehweg, in ihrer Hand lag der leise tröpfelnde Fisch …

Kleine, sympathisch dreinblickende Sardellen. Ein ganzer Schwarm liegt hinter Glas in einem Bett aus Eis, aber ich benötige nur eine einzige. Erklärend füge ich hinzu, ich wolle sie zeichnen. Die Verkäuferin stutzt zunächst, dann lächelt sie und drückt mir ein feuchtes Fischlein in die bloße Hand.

Stillvergnügt …

Dem Zeichnen des Fisches folgten Druckexperimente. Das Beitragsbild zeigt einen Abdruck in Aquarell.

In Tiefen entspannt

Manatis sind dankbare Zeichenobjekte: Schnelle oder hektische Bewegungen sind ihnen weitgehend fremd. Ihr lässiges Treiben vermag einen einzulullen, wie Lavalampen dies tun – nur dass ich selten Lust verspüre, Lavalampen zu skizzieren.

Im Gegensatz zu Lavalampen bringen Manatis bis zu einer halben Tonne Charme und Sympathie auf die Waage. Sie fordern einen geradezu auf, sie mit großen, ausholenden Schwüngen zu umreißen. Ein munteres Knopfauge dazu und sofort lugen sie freundlich vom Papier. Enchantée!

„Manati im Tiergarten Nürnberg“

„Manati im Tiergarten Nürnberg“
Aquarell / Bleistift
Arches® Bütten, 300 g/m2
40 x 30 cm

In braunen Daunen

Bei den Königspinguinen gehen beide Elternteile auf die Futterjagd, während die Jungtiere an Land bleiben.

Die Küken sind das Warten gewohnt, aber in naher Zukunft könnten sich die Zeiten des Ausharrens gravierend ausdehnen: Einer Studie zufolge werden sich Fische und Kraken aufgrund der Meereserwärmung in Richtung Antarktis zurückziehen. Die Elterntiere benötigten dann länger für die Reise zu ihren Nahrungsquellen. Während dieser Zeit könnten die Jungtiere verhungern.

Für weitere Informationen siehe u.a. Spiegel-Online:
Erwärmung der Meere bedroht Königspinguine

Serie "Chicks" – Königspinguin

„N°5 / Königspinguin“ – aus der Serie „Chicks“
Aquarell / Tusche

Arches® Bütten, 300 g/m2
30 x 40 cm