Was nun, Huhn?

Es war eine Überraschung. In der aktuellen Ausstellung „Neonleise“ zeige ich fünf Monotypien von Vögeln. Darunter auch ein Helmperlhuhn, welches sich bei der Eröffnung unerwartet zum Publikumsliebling mauserte: Ich hätte es gleich dreimal verkaufen können.

Ist es der bedürftige Blick des Huhnes? Sind es die Farben? Oder ist es genau dieses Zusammenspiel von Mimik und aktivierender Farbe, das die Betrachtenden anspricht?

Da ich durchaus eine Gewinnerzielungsabsicht verfolge, frage ich mich momentan, ob ich nicht eine Serie von Hühnern gestalten sollte …

Monotypie – "Helmperlhuhn"

„Perlhuhn“ – Monotypie
Acryl / Tusche / Farbstift
Fabriano® 220 g/m2
50 x 40 cm

Anthropomorphismus?

Mit dem Begriff Anthropomorphismus bezeichnet man das Zuschreiben menschlicher Eigenschaften gegenüber Tieren, Göttern, Naturgewalten und Ähnlichem (eine Vermenschlichung).

Ein Blick genügt …

Guckt der Emu wachsam und das Huhn bekifft? Kann man Tiere betrachten, ohne in ihnen menschliche Eigenschaftem zu sehen?

Aus Literatur und Kunst sind wir von klein auf an die anthropomorphe Darstellung von Tieren gewöhnt. Wir finden sie in Aesops Fabeln und Grimms Märchen, in Kinderbüchern wie Paddington Bär und in Comics wie Fritz the Cat. Des weiteren in Subkulturen wie den Furrys oder Kemonos.

Hinsichtlich des Anthropomorphismus lohnt die Frage, wie wir Tiere betrachten. Hierzu zwei entgegengesetzte Positionen:

René Descartes (1596 bis 1650) sah Menschen als Einheit von Körper und Geist an, denen er Emotionen, Absichten und flexibles Verhalten zusprach. Demgegenüber postulierte er, dass alles an Tieren gemäß mechanischen Gesetzmäßigkeiten erklärt werden könne, sie also nur Körper seien. Tiere seien quasi Automaten.
Charles Darwin (1809 bis 1882) hingegen erkannte, dass es keinen fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier gäbe.

Um zu entscheiden, ob Tiere in Darstellungen anthropomorphe Züge tragen, müsste man eine Grenze zwischen Mensch und Tier benennen. Diese ist bei Descartes klar definiert, bei Darwin hingegen begegnen wir einem Kontinuum und eine Grenze wäre mehr oder weniger willkürlich.

Aber eines frage ich mich: Wie würde Descartes den Blick des Emus beschreiben?

Der Emu ist Teil einer Reihe von Monotypien, die allesamt Vögel porträtieren. Bei diesen Monotypien wurde lediglich das Auge und manchmal der Schnabelwinkel zeichnerisch ausgearbeitet.
Aktuell sind 5 dieser Monotypien in der Ausstellung „Neonleise“ in Nürnberg zu sehen.

Monotypie - "Emu"

Auge nach dem Druck.

Monotypie - "Emu"

Auge nach dem Überzeichnen.

Monotypie – Emu

„Emu“ – Monotypie
Acryl / Tusche / Farbstift
Fabriano® 220 g/m2
50 x 40 cm

Neonleise

Fünfmal Gefllügel – und ein Oktopus.

Am 6. Februar um 17 Uhr eröffnet die Gemeinschaftsausstellung „Neonleise“ in Nürnberg.

Dort werde ich vor allem aktuelle Monotypien von Vögeln zeigen, die um das Thema Anthropomorphismus kreisen. Rau und rotzig – echte Monotypen eben.

Veranstalter / Ausstellungsort
Borgo Ensemble e.V. für Kunst und Freundschaft
Holzschuherstraße 8
90439 Nürnberg

Ausstellende
Sylvie Ludwig (Kuratorin)
Nadja Bleistein
Bettina Graber
Raffi Lehnert
Katharina Reger
Heike Raap

Laufzeit
6. Februar 2025 bis 20. März 2025

Offnungszeiten
Donnerstags 17 bis 19 Uhr
Sonntags 15 bis 17 Uhr

Erdmännchen gehen immer

Die Erdmännchen im Tiergarten Nürnberg sind Besucherlieblinge: Ein bisschen possierlich, ein bisschen verwegen. Sie richten sich auf – und schwupps! – geraten wir gemäß dem Gesetz der Senkrechten in Verzückung.

Etwas scheint uns Menschen zu triggern, wenn Tiere sich – wie wir – in die Senkrechte begeben: Seien es Bären, die sich auf die Hintertatzen stellen, Pinguine, die über Felsen watscheln – oder eben aufmerksam wachende Erdmännchen.

Aber warten Sie, bis diese kleinen Carnivoren den Kopf eines Kükens knacken …

Monotypie – Erdmännchen

„Erdmännchen“ – eine Monotypie